Lessing-Tage

19. Januar 2022

Wird Verlegt!
19 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus
Vortrag
Thomas Bauer-Friedrich (Halle) spricht zum Thema: „Der Umgang mit der Kunst der Moderne im Nationalsozialismus“

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), heute das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, entwickelte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als damals noch städtisches Museum zu einem Hort der modernen Kunst. Dank der Sammlungstätigkeit der damaligen Museumsdirektoren entstand eine der bedeutendsten Kollektionen der Klassischen Moderne in Deutschland, darunter der berühmte Halle-Zyklus von Lyonel Feininger. Dies sollte sich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ändern. Im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ verlor das Museum seine bedeutende Sammlung zur Moderne. Die damals beschlagnahmten Werke befinden sich heute zerstreut in zahlreichen renommierten Kunstmuseen in Deutschland, aber auch im Ausland. Bis heute konnte das Museum nur wenige Stücke zurückerwerben. Einen viel beachteten, völlig neuen Weg im Umgang mit der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging das Museum, als es bei der Neugestaltung seiner Dauerausstellung im Abschnitt 1900 bis 1945 nicht nur die Kunst der Klassischen Moderne, sondern auch einige Werke der NS-Kunst in die Präsentation aufnahm. Der Vortrag beleuchtet die Sammlungsgeschichte, die exemplarisch für die Schicksale der Kollektionen der Klassischen Moderne in deutschen Museen steht, und erläutert den Hallenser Umgang mit der avantgardistischen Kunst, aber auch mit den Künstlern, die sich in den Dienst des Nationalsozialismus gestellt haben.

Thomas Bauer-Friedrich ist Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale).

22. Januar 2022

Wird verlegt!
11 oder 19 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus
Geburtstagsfeier für Lessing: Buchvorstellung
Der Autor und Verleger Dr. Andreas Eichler (Limbach-Oberfrohna) stellt seine zweibändige „Literarische Wanderung durch Mitteldeutschland“ vor.

Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Wanderung durch Mitteldeutschland, der Region zwischen Braunschweig und Görlitz, in der um 1200 eine Erneuerung der Sprache und des Denkens begann. In Fortsetzung des ersten Teiles beginnt er bei Herder in Weimar. Die Lebensorte von Literaten, Techniker, Mediziner, Theologen und Philosophen in Mitteldeutschland sind die Ziele der einzelnen Abschnitte. Vor Ort versuchen wir einen Originaltext zu verstehen. Natürlich wird auch Lessing eine Rolle spielen. Am Ende steht die Frage: Was bleibt?
Andreas Eichler (* 1954 in Limbach-Oberfrohna) ist ein deutscher Schriftsteller und Verleger.
Eichler studierte an der Universität Leipzig Philosophie. Er wurde 1989 an der Universität Jena zur Thematik Lenin zur Dialektik von Wesen und Erscheinung in Theorie und Praxis der sozialistischen Gesellschaft: 1917 bis 1923 promoviert. Er ist Verfasser lokal- und regionalhistorischer Publikationen. Gemeinsam mit seiner Frau Birgit leitet Eichler den Mironde-Verlag in Niederfrohna (früher Miriquidi-Verlag).
Eichler ist Vorsitzender des Sächsischen Schriftstellerverbandes und des Heimatvereins Niederfrohna e. V.

In Zusammenarbeit mit dem Kamenzer Klub Gotthold Ephraim Lessing e. V.

Eintritt: 3 €, ermäßigt: 1,50 €

26. Januar 2022

Wird verlegt!
19 Uhr, Stadttheater Kamenz
Vortrag
Peter Michalzik (Frankfurt/M.) spricht über die Schauspielerin Marianne Hoppe

Marianne Hoppe war über 70(!) Jahre eine der prägenden Schauspielerinnen im Theater der Weimarer Republik, in Nazideutschland und in der Bundesrepublik. Im Dritten Reich war sie außerdem eine ausgesprochen erfolgreiche Filmschauspielerin und sie war die Ehefrau von Gustaf Gründgens.
Der Stil, den sie damals mit Gründgens und anderen erarbeitete, prägte die Auffassung davon, wie klassische Rollen im Theater zu spielen seien, für viele Jahrzehnte und bis heute. Klassisch, das heißt ernst, streng, würdevoll, mit Sprechkultur, aber auch pathosfrei und trocken.
Es ist das eine Auffassung, die weniger selbstverständlich ist, als man gerne meint. Peter Michalzik zeichnet nach, wie es dazu kam. Eine Inszenierung steht dabei im Mittelpunkt: Lessings „Emilia Galotti“ 1937 am Preussischen Staatstheater am Gendarmenmarkt. Eine Aufführung zwischen Aufklärung und Gefahr, zwischen den Berliner Nazigrößen und unbedingtem Kunstwille. Eine zwar heute vollkommen vergessene, trotzdem stilbildende Theaterarbeit, nach Meinung der Beteiligten die beste Aufführung, an der sie mitgearbeitet haben. Was machte sie aus? Und welche Rolle spielte Lessing?
Peter Michalzik arbeitet gerade an einem neuartigen Buch mit dem Titel „Horváth, Hoppe, Hitler“, das im Frühjahr 2022 im Aufbau-Verlag Berlin erscheinen wird und in dem diese Aufführung eine Rolle spielt.
Peter Michalzik wurde in Landshut/Niederbayern geboren.
In München studierte er Germanistik, Philosophie, Geschichte und Theaterwissenschaft.

Eintritt: 3 €, ermäßigt: 1,50 €

2. Februar 2022

Wird verlegt!

19 Uhr, Malzhaus, Sonderausstellungsbereich
Ausstellungseröffnung
„Gotthold Ephraim Lessings Wirkungsgeschichte zwischen 1933 und 1945“

Lessings „Minna von Barnhelm“ gehörte zwischen 1933 und 1945 zu den meistgespielten Theaterstücken in Deutschland. „Nathan der Weise“ war ab Dezember 1933 auf keiner deutschen Bühne mehr zu sehen. Wie war solch eine selektive Wahrnehmung möglich? Welchen Platz hatte Lessing als wichtigster Vertreter der deutschen Aufklärung, der sich für Humanität und Toleranz eingesetzt hatte in einem Regime, das den industriellen Massenmord „einführte“, welchen Platz als Fürsprecher der Vernunft in einem geistigen Umfeld, das die Irrationalität „kultivierte“?
Diesen Fragen geht die Sonderausstellung des Lessing-Museums nach. Im Überblick werden dabei alle Bereiche betrachtet, in denen Lessing und sein Werk Wirkung entfaltet haben, das Theater natürlich, die Schule, der Film, die Kritik, die bildende Kunst, die Germanistik und die Publizistik. Gefragt wird nach Formen der persönlichen Rezeption. Schlaglichtartig werden dabei einzelne Aufführungen, Personen und Kunstwerke genauer betrachtet und Kontexte skizziert.
Die Kulturpolitik des „Dritten Reiches“ versuchte, Lessing zu vereinnahmen, man konnte auf ihn nicht verzichten, auch er sollte der Legitimation des Regimes dienen. Dennoch war er nicht so passfähig wie bspw. ein verfälschter Herder oder ein patriotischer Kleist.
Bemerkenswert, dass Lessing zugleich aber auch der Kronzeuge des Widerstandes war, der Repräsentant eines „anderen Deutschlands“ im Exil. Doch auch im „Dritten Reich“ bot sein Denken Ansätze für subtilen Widerspruch zum NS-Zeitgeist, oft verwirklicht in schwer zu ertragender Gleichzeitigkeit von Systemstabilisierung und der geschickten Nutzung von Freiräumen. So ist die Rezeption Lessings im „Dritten Reich“ vielschichtig, facettenreich und in sich widersprüchlich.

5. Februar 2022

19 Uhr, Stadttheater Kamenz
Theateraufführung
„Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka, Düsseldorfer Schauspielhaus

Mit Kilian Land
Szenische Einrichtung: Roger Vontobel
Dramaturgie: Lynn Takeo Musiol

Eingefangen und aus seiner Heimat verschleppt, hat sich der Affe Rotpeter innerhalb weniger Jahre durch Auftritte im Varieté in die Mitte der menschlichen Gesellschaft gearbeitet. Den Mitgliedern einer Akademie berichtet er von der Geschichte seiner Assimilation, vom Prozess seiner Menschwerdung als einzigem Ausweg aus der Gefangenschaft.

Rheinische Post, 20.9.2020
Mit sparsamen Mitteln und überzeugender Darstellungskraft gelingt dem Schauspieler ein berührendes Theatererlebnis. Kilian Land fühlt sich geschmeidig ein in die Metamorphose. Da spricht ein Wesen, das um seine Daseinsberechtigung ringt. Das Leid der gewaltsamen Selbstverleugnung geht ans Gemüt. Brillante schauspielerische Leistung.

[Foto: Sandra Then]

Eintritt/Vorverkauf: 17,00 €, ermäßigt: 9,00 €; Eintritt/Abendkasse: 18,50 €

2G-Regel beachten



12. Februar 2022

19 Uhr, Rathaus Kamenz, Ratssaal
Konzert
Johannes Monno an der Gitarre und der renommierte Geiger Kolja Lessing interpretieren Werke von J.S. Bach, Nicolò Paganini, Filippo Gragnani, Max Reger, Eugène Ysaye und Francisco Tarrega.

Die vielfach ausgezeichneten Musiker werden streichend, zupfend und humorvoll moderierend ihr Publikum mit so mancher Überraschung begeistern. Freunde ausgefallener Musikliteratur werden ihre helle Freude erleben, wenn im Klang der Saiten Kolja Lessings Geige auf die Gitarre Johannes Monnos trifft.
Im Anschluss an das Konzert wird Kolja Lessings neuer Band mit musikwissenschaftlichen Essays vorgestellt.

KOLJA LESSING, Professor für Violine und Kammermusik an der Musikhochschule Stuttgart, ist einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit. Als Geiger und
Pianist verbindet er interpretatorische mit wissenschaftlicher Arbeit und hat so dem Musikleben prägende Impulse verliehen. Eine ganze Reihe von Werken verdankt ihre Wiederentdeckung seinem Einsatz. Sein breites Repertoire reicht in stilistisch differenzierten Auseinandersetzungen vom Barock bis zur Moderne und wird in international ausgezeichneten CD-Produktionen gespiegelt.
JOHANNES MONNO entdeckte mit sechs Jahren die Liebe zur Gitarre. Schon früh faszinierte ihn die Geschichte und Entwicklung des Instruments. Die stimmige Verbindung von künstlerischer, wissenschaftlicher und pädagogischer Arbeit stellt daher für ihn ein zentrales Anliegen dar. Eingehend erforschte er die Geschichte und Spielweise von Vihuela da Mano, Barockgitarre und Chitarrone - etliche Publikationen, CD´s, Vortragsreihen und Rundfunkaufnahmen resultieren aus dieser Beschäftigung.
Sein klangliches Ideal fand er in den Gitarren von Matthias Dammann, dessen Instrumente er bereits seit 1984 spielt.

Eintritt/Vorverkauf: 17,00 €, ermäßigt: 9,00 €; Eintritt/Abendkasse: 18,50 €

2G-Regel beachten

15. Februar 2022

19 Uhr, Galerie im Sakralmuseum
Ausstellungseröffnung
Eröffnung der Ausstellung mit Lithografien von Armin Mueller-Stahl zu Goethes „Urfaust“

2019 und 2020 zeigte das Lessing-Museum in Kooperation mit dem Künstler und dem Kunsthaus Lübeck zwei Ausstellungen mit Werken von Armin Mueller-Stahl. Aus dieser Kooperation erwuchs dem Museum eine bedeutende Erweiterung seiner Sammlung: Frank-Thomas Gaulin (Kunsthaus Lübeck) schenkte dem Museum 2020 Armin Mueller-Stahls Mappenwerk zum „Urfaust“. Die 20 Lithographien entstanden 2003; sie setzen sich in der charakteristischen Formensprache des Künstlers mit der ersten Fassung von Goethes Hauptwerk auseinander. Die Kabinettausstellung präsentiert die Schenkung erstmals der Öffentlichkeit. Der einführende Vortrag von Dr. Sylke Kaufmann, der Leiterin der Städtischen Sammlungen Kamenz, verknüpft die Bildwelten von Armin Mueller-Stahl mit Entstehungsgeschichte und Inhalt von Goethes Drama. Der „Faust“, nach Aussage des Dichters sein „Hauptgeschäft“, beschäftigte ihn mit Unterbrechungen von 1772–75, der Entstehungszeit des „Urfaust“, bis 1831. Erst wenige Monate vor seinem Tod schloss er den zweiten Teil des „Faust“ ab. Im „Faust“-Stoff griff Goethe viel diskutierte Ereignisse wie Kindsmordprozesse auf. In seiner Jugend hatte ihn ein solcher Prozess in seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. zum “Urfaust“ angeregt, später musste er als sachsen-weimarischer Staatsminister zu solchen Urteilen ein eigenes Votum abgeben. Er bewegte sich damit in einem brisanten Spannungsfeld von Leben und künstlerischer Reflexion, das bis heute kontrovers diskutiert wird.

In Kooperation mit dem Kunsthaus Lübeck. Wir danken Herrn Frank-Thomas Gaulin für seine Unterstützung!

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17. Februar 2022

19 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus:
Aus- und vorgestellt
Präsentation von Neuerwerbungen und restaurierten Objekten aus den Städtischen Sammlungen Kamenz

Inzwischen hat die Reihe „Aus- und vorgestellt“ schon einen festen Platz im Programm der Kamenzer Lessing-Tag. Jedes Mal ist es spannend, welche Zeugnisse der Vergangenheit in den zurückliegenden Monaten auf mitunter abenteuerliche Weise erworben werden konnten und nun ihren festen Platz in den Ausstellungen und Depots der Kamenzer Sammlungen finden konnten. Oder es ist jedes Mal ein Erlebnis, wenn museale Gegenstände nach einer Restaurierung wieder im alten Glanz erstrahlen
Geradezu erstaunlich ist es, was diese Gegenstände zu ‚erzählen‘ vermögen, wenn man ihnen die richtigen Fragen stellt.

Eine Veranstaltung der Städtischen Sammlungen Kamenz

Eintritt: 3,00 €; Ermäßigungsberechtigte: 1,50 €
Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.

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