Lessing-Tage

26. Oktober 2021

19 Uhr, Stadttheater Kamenz
Lesung
„Er ist wirklich ein Jude ..." Moses Mendelssohn und die deutsche Aufklärung. Kommentierte Lesung mit Gunnar Och (Erlangen) und Christoph Grube (Chemnitz)

Gemeinsam mit Lessing zählt Moses Mendelssohn zu den bedeutendsten Köpfen der deutschen Aufklärung. Seine Beiträge zur Moral- und Religionsphilosophie, aber auch zur Ästhetik sind bahnbrechend. Selbst Kant, der Feind der sogenannten Popularphilosophen, kann ihnen seine Anerkennung nicht versagen. Und eine breitere Öffentlichkeit wusste er allein dadurch zu faszinieren, dass ihm kaum Glaubhaftes gelang: der Ausbruch aus dem jüdischen Ghetto und der Aufstieg zu einer Persönlichkeit von europäischem Rang. Um all diese Facetten aufscheinen zu lassen, sollen Schlüsseltexte der Zeit in Form einer kommentierten Lesung präsentiert werden. Und natürlich wird auch viel von Lessing zu hören sein, den mit seinem ›Herrn Moses‹ lebenslang eine enge Freundschaft verband.

Prof. Dr. Gunnar Och ist emeritierter Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der deutsch-jüdischen Literaturgeschichte und in der klassisch-romantischen Zeit. Veröffentlichungen erfolgten u. a. zu Lessing, Jean Paul, Eichendorff und Platen. Sein aktuelles Buchprojekt befasst sich mit der Geschichte des Ahasver-Mythos.
Dr. Christoph Grube studierte Germanistik und Geschichte. Neben seiner Tätigkeit im Fachbereich Germanistik der TU Chemnitz ist er jedoch auch in der Hörbuchproduktion tätig. Mit »Bronsteins Kinder« von Jurek Becker errang er den 2. Platz auf der Hörbuchbestenliste.

Karten zum Preis von 5 Euro/Ermäßigt 3 Euro erhalten Sie im Vorverkauf an den Kassen des Lessing-Museums sowie der Kamenz-Information.
Eine Veranstaltuing der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption

28. Oktober 2021

(c) privat

19 Uhr, Stadttheater Kamenz
Vortrag
„Völkische Literaturpolitik. Lessing bei Adolf Bartels“, Vortrag von Prof. Dr. Markus Fauser (Vechta)
außerdem Präsentation des neu erschienenen Tagungsbandes LESSING UND DAS JUDENTUM. Lektüren, Dialoge, Kontroversen im 20. und 21. Jahrhundert

Was hatten die Völkischen im frühen 20. Jahrhundert mit Lessing zu tun? Wie haben sie das Vorbild aller aufklärerischen Literatur behandelt und wie geriet Lessing in das Umfeld antisemitischer Debatten? Adolf Bartels, der „literarische Großvater der Nationalsozialisten“ hat 1918 die einzige längere Abhandlung vorgelegt, die im Kontext der äußerst hart geführten kulturpolitischen Auseinandersetzungen des frühen 20. Jahrhunderts zu lesen ist. Die Literaturgeschichte stand damals mitten im Zentrum politischer Kämpfe und erst kurz vorher haben jüdische Gelehrte erste Versuche unternommen, die Geschichte des wechselseitigen Zusammenhangs von jüdischen und deutschen Traditionen nachzuweisen. Daran knüpfen nun die Antisemiten an und werten die gesamte Rezeptionsgeschichte Lessings um. Dabei verwendet auch Bartels längst gebräuchliche Formeln, die spätestens mit dem „modernen Antisemitismus“ in seiner Phase nach der jüdischen Emanzipation und Integration immer wieder auftauchen. Bartels kulturpolitisches Verhalten ist Teil dieses „postemanzipatorischen Antisemitismus“ (Rürup).
Und was haben die Leser damals dazu gesagt? In diesem spannungsreichen Umfeld kamen Argumente und Unterstellungen zu Gehör, die uns aus heutiger Sicht überraschend bekannt vorkommen. Wie eine solche Kampfschrift richtig einzuordnen ist, soll der Vortrag zeigen.

Eintritt 3,00 €, ermäßigt: 1,50 €

29. Oktober 2021

10 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus
Puppenspiel
„Rosina und das Salz“, Puppenspiel mit Uta Davids (Pulsnitz)
Puppenspiel für Kinder und Erwachsene

Die Prinzessin sagt, sie liebt den Vater mehr als das Salz. Der König versteht das nicht und verbannt die Tochter aus seinem Königreich. Doch ohne Salz schmecken die meisten Gerichte fad. Märchen und Geschichten vom Salz sind schön und eigensinnig und die Puppen, die sie erzählen laufen an Stöcken und Fäden. Stadtsoldaten und Prinzessinnen, wunderliche kleine Männlein und kostbare Ringe, die unter der Erde von einem Land ins andere wandern…
In diesem Puppenspiel steht das Mögliche neben dem Unmöglichen. Und immer wieder geht es um Salz.

Geschlossene Veranstaltung, Restkarten: 1 €

2. November 2021

(c) Knut-Uwe Weise

19 Uhr, Stadttheater / Kleiner Saal
Vortrag, Lesung und Gespräch
„Europas verheimlichte Kinder“ mit Birgrit Michler (Zittau) und Winfried Behlau (Delmenhorst), eine Veranstaltung über Soldatenkinder im II. Weltkrieg

Kriege bringen Schrecken, Tod und Verwüstung. Aber sie bringen auch neues Leben hervor - bis heute.
Im und nach dem Zweiten Weltkrieg sind es in ganz Europa Hunderttausende Kinder, die von Soldaten mit den Frauen des Feindes gezeugt wurden.
Zum Kriegsende waren es die Kinder der Alliierten in Deutschland, gezeugt mit den Frauen des besiegten Feindes - in Gewalt oder einer Liebesbeziehung.
Nicht gewollt und doch geboren. Verheimlicht, verleugnet, ausgegrenzt, zur Adoption oder in Heime gegeben, Unzählige abgetrieben.
Viele aber auch in Liebe angenommen. Ihre Herkunft erfuhren die meisten erst spät.
Sie waren umgeben vom Schweigen der Mütter. Manche ein Leben lang.
„Schattenkinder“ nennen sie die Historiker.
Geschätzt 400 000 Kinder hinterließen die Alliierten in Deutschland, allein 100 000 Kinder sowjetischer Soldaten.
Jahrzehnte war dies ein Tabu in der Gesellschaft. Im Osten wie im Westen.
Erst seit einigen Jahren nimmt sich die internationale Forschung dieses Themas an.
Betroffene tauschen sich länderübergreifend aus, beschreiben ihre Erfahrungen, sind auf der späten Suche nach ihren Wurzeln. In der Gruppe „ Distelblüten“ haben sich die Russenkinder gefunden.

Zwei aus dieser Gruppe berichten über Schwierigkeiten und Erfolge einer Öffnung, lesen aus „Distelblüten - Russenkinder in Deutschland“ und zeigen die Originalgrafiken „Distelblüten“ und „Schattenkinder“ von Knut Weise.

Eintritt 3,00 €, ermäßigt: 1,50 €

16. November 2021

19 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus
Lesung
Benedikt Dyrlich (Bautzen) liest aus „Leben im Zwiespalt 2. Aus Tagebüchern, Briefen und Beiträgen 1990–2018“

Im zweiten Band seiner Autobiografie beschreibt Benedikt Dyrlich die Etappen nach der Wende. Das erste Kapitel des Bandes umfasst die Jahre seines Wirkens im Sächsischen Landtag als Abgeordneter der SPD-Fraktion, das zweite die Zeit, in der er Chefredakteur der sorbischen Tageszeitung „Serbske Nowiny“ war. Das dritte Kapitel schildert die Jahre nach seinem schweren Unfall im Sommer 2009, der ihn plötzlich aus dem beruflichen Alltag riss. Der Umbruch 1989/90 hat auch Dyrlichs Leben entscheidend verändert, beständig war jedoch seine kämpferische Natur. Ob als Politiker, Journalist oder Vorsitzender des Sorbischen Künstlerbundes, unermüdlich, bisweilen mit ungestümer Hartnäckigkeit, setzte er sich für die Gegenwart und Zukunft seines Volkes ein, für dessen Literatur und Kunst. Er stritt für die Unabhängigkeit der Medien, für Demokratie bei den Sorben und fiel dabei nicht selten in Ungnade. Das Buch zeichnet seinen Weg in den neuen politischen Verhältnissen und seine persönliche Sicht auf die Ereignisse zum Zeitpunkt des Geschehens. Zugleich ist es ein spannender Abriss der jüngsten sorbischen Geschichte. Die Zeitdokumente wurden zumeist in obersorbischer Sprache erfasst. Diese wurden von Dietrich Scholze ins Deutsche übertragen.
Benedikt Dyrlich wurde 1950 in Neudörfel geboren. Er studierte Theaterwissenschaften und war als Dramaturg tätig. Von 1995 – 2011 hatte er das Amt des Chefredakteurs der obersorbischen Tageszeitung „Serbske Nowiny“ inne. Er wirkt als Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer. 2011 wurde ihm der Ćišinski-Preis verliehen.

Eintritt: 3 €, ermäßigt: 1,50 €;

Es gilt die 2G-Regel.

Mit Unterstützung des PEN

18. November 2021

19 Uhr, Stadttheater / Kleiner Saal
Buchpräsentation
Prof. Dr. Carsten Gansel (Gießen) stellt den von ihm herausgegebenen Roman „Wir selbst“ von Gerhard Sawatzky vor.

„Wir selbst“ erzählt von der „Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen“ in den Jahren 1920 bis 1937 und somit von einer untergegangenen Welt.
Der Autor, Gerhard Sawatzky (1901–1944), arbeitete nach seinem Studium in Leningrad zuerst als Lehrer, später als Journalist und Autor in der Wolgadeutschen Republik. Im Jahr 1938 wurde er vom NKWD verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt. Sein 1937 vollendeter Roman „Wir selbst“ wurde verboten und vernichtet. Gerhard Sawatzky starb am 1. Dezember 1944 im Gulag in Solikamsk in Sibirien. Seiner Witwe gelang es jedoch unter dramatischen Umständen, das Urmanuskript bei der Deportation nach Sibirien zu retten. Teile des Buches wurden in den 1980er-Jahren in einer deutschsprachigen Zeitschrift in der Sowjetunion abgedruckt – allerdings bearbeitet und verändert. 2020 erschien Sawatzkys Roman im Verlag Galiani in Berlin, versehen mit einem umfangreichen Nachwort Carsten Gansels, der das Urmanuskript in Russland aufgespürt hatte.
Carsten Gansel ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption.

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption

Eintritt 3 €, ermäßigt 1,50 €.

Es gilt die 2G-Regel.

26. November 2021

17 Uhr, Stadttheater Kamenz
Preisverleihung

Verleihung des Lessing-Preises des Freistaates Sachsen an Wilfried Schulz (Hauptpreis), Jackie Thomae, Anna Mateur und Jasna Zajček (Förderpreise)

Geschlossene Veranstaltung auf Einladung des Ministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Der Lessing-Preis des Freistaates Sachsen wird 2021 an Wilfried Schulz verliehen. Mit diesem Preis zeichnet der Freistaat Persönlichkeiten aus, deren Werk in der von Lessing geprägten geistigen Tradition steht und die für die deutschsprachige Literatur oder das deutschsprachige Theater Herausragendes geleistet haben. Die Preisträger wählt ein Kuratorium von Fachleuten unter dem Vorsitz von Kultur- und Tourismus-Ministerin Barbara Klepsch aus.
Wilfried Schulz – Dramaturg und Theaterintendant – wurde 1952 in Falkensee bei Berlin geboren. Er studierte an der Freien Universität Berlin und der Nouvelle Sorbonne in Paris Theaterwissenschaft, Politologie und Germanistik. Von 1976 bis 1981 war er Hochschulassistent an der Hochschule der Künste Berlin, bevor er als Dramaturg zuerst an das Theater der Stadt Heidelberg und dann an das Staatstheater Stuttgart wechselte und später als Chefdramaturg in Basel, Hamburg und Salzburg tätig war. Darüber hinaus hatte er Lehraufträge an mehreren Universitäten inne und publizierte unter anderem über das Theater von Christoph Schlingensief.
Nach seiner ersten Theaterleitung am Schauspiel Hannover übernahm Wilfried Schulz in der Spielzeit 2009/10 die Intendanz des Staatsschauspiels Dresden. Als neue Sparte wurde »Die Bürgerbühne« begründet, in der Dresdner Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind, selbst aktiv Theater zu spielen. Unter der Intendanz von Wilfried Schulz ist das Staatsschauspiel Dresden u. a. mit einer Einladung zum Berliner Theatertreffen und dem Deutschen Theaterpreis »Der Faust« (beides für »Don Carlos« in der Regie von Roger Vontobel) ausgezeichnet worden.
Der Intendant sprach nun neue und vor allem jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer an, mit etwa 250.000 Besuchern jährlich zählte das Dresdner Staatsschauspiel zu den am besten besuchten deutschen Bühnen. Wilfried Schulz erweckte in Dresden den Begriff des Stadttheaters zu neuem Leben und füllte ihn mit neuer Bedeutung. »Das Theater hat sich nicht dunkel und geheimnisvoll in eine Ecke gestellt und gewartet, wer da kommt. Sondern wir sind auf die Leute zugegangen und haben gesagt: Das ist der Ort, wo sich diese Stadt treffen kann, wo Menschen ihre Themen besprechen und auf der Bühne wiederfinden können« (Wilfried Schulz). Das Theater entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem Ort des Diskurses, das sich mit den Themen der Stadt auseinandersetzte. In diesem Zusammenhang benutze Wilfried Schulz gegen Ende seiner Dresdner Zeit ausdrücklich den Begriff vom »politischem Theater«, herausgefordert von Pegida, dem Rechtstrend in der Gesellschaft und dem Umgang mit Flüchtlingen. Im Sinne Lessings, dass »nicht die Wahrheit, in der irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen« den Wert des Menschen ausmacht, ist Wilfried Schulz ein würdiger Preisträger. (Text: Undine Materni)

27. November 2021

11 Uhr, Stadttheater Kamenz
Matinee
Michael Hametner (Leipzig) stellt in Gespräch und Lesung die diesjährigen Träger des Lessing-Preises Wilfried Schulz, Jaecki Thomae und Jasna Zajček vor.

Während der Kamenzer Lessing-Tage besteht die Möglichkeit, die Träger des Lessing-Preises und der Förderpreise auch außerhalb des Festaktes der Preisverleihung kennenzulernen.
Am Morgen nach der Übergabe der Preise kommt Michael Hametner mit Wilfried Schulz, Jaecki Thomae und Jasna Zajček ins Gespräch. Anna Mateur ist aufgrund einer Terminüberschneidung verhindert.
Wie gewohnt wird dem Besonderen des Theatermachens und des Schreibens nachgespürt, den Bedingungen dafür, den Intentionen und dem künstlerischen Selbstverständnis. Unterschiedlich akzentuierte Erfahrungen werden ebenso zur Sprache kommen wie sicher auch ganz aktuelle Fragen.

Eintritt: 3,00 €, ermäßigt: 1,50 €

Es gilt die 2G-Regel!

19. Januar 2022

19 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus
Vortrag
Thomas Bauer-Friedrich (Halle) spricht zum Thema: „Der Umgang mit der Kunst der Moderne im Nationalsozialismus“

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), heute das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, entwickelte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als damals noch städtisches Museum zu einem Hort der modernen Kunst. Dank der Sammlungstätigkeit der damaligen Museumsdirektoren entstand eine der bedeutendsten Kollektionen der Klassischen Moderne in Deutschland, darunter der berühmte Halle-Zyklus von Lyonel Feininger. Dies sollte sich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ändern. Im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ verlor das Museum seine bedeutende Sammlung zur Moderne. Die damals beschlagnahmten Werke befinden sich heute zerstreut in zahlreichen renommierten Kunstmuseen in Deutschland, aber auch im Ausland. Bis heute konnte das Museum nur wenige Stücke zurückerwerben. Einen viel beachteten, völlig neuen Weg im Umgang mit der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging das Museum, als es bei der Neugestaltung seiner Dauerausstellung im Abschnitt 1900 bis 1945 nicht nur die Kunst der Klassischen Moderne, sondern auch einige Werke der NS-Kunst in die Präsentation aufnahm. Der Vortrag beleuchtet die Sammlungsgeschichte, die exemplarisch für die Schicksale der Kollektionen der Klassischen Moderne in deutschen Museen steht, und erläutert den Hallenser Umgang mit der avantgardistischen Kunst, aber auch mit den Künstlern, die sich in den Dienst des Nationalsozialismus gestellt haben.

Thomas Bauer-Friedrich ist Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale).

22. Januar 2022

11 oder 19 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus
Geburtstagsfeier für Lessing: Buchvorstellung
Der Autor und Verleger Dr. Andreas Eichler (Limbach-Oberfrohna) stellt seine zweibändige „Literarische Wanderung durch Mitteldeutschland“ vor.

Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Wanderung durch Mitteldeutschland, der Region zwischen Braunschweig und Görlitz, in der um 1200 eine Erneuerung der Sprache und des Denkens begann. In Fortsetzung des ersten Teiles beginnt er bei Herder in Weimar. Die Lebensorte von Literaten, Techniker, Mediziner, Theologen und Philosophen in Mitteldeutschland sind die Ziele der einzelnen Abschnitte. Vor Ort versuchen wir einen Originaltext zu verstehen. Natürlich wird auch Lessing eine Rolle spielen. Am Ende steht die Frage: Was bleibt?
Andreas Eichler (* 1954 in Limbach-Oberfrohna) ist ein deutscher Schriftsteller und Verleger.
Eichler studierte an der Universität Leipzig Philosophie. Er wurde 1989 an der Universität Jena zur Thematik Lenin zur Dialektik von Wesen und Erscheinung in Theorie und Praxis der sozialistischen Gesellschaft: 1917 bis 1923 promoviert. Er ist Verfasser lokal- und regionalhistorischer Publikationen. Gemeinsam mit seiner Frau Birgit leitet Eichler den Mironde-Verlag in Niederfrohna (früher Miriquidi-Verlag).
Eichler ist Vorsitzender des Sächsischen Schriftstellerverbandes und des Heimatvereins Niederfrohna e. V.

In Zusammenarbeit mit dem Kamenzer Klub Gotthold Ephraim Lessing e. V.

Eintritt: 3 €, ermäßigt: 1,50 €

26. Januar 2022

19 Uhr, Stadttheater Kamenz
Vortrag
Peter Michalzik (Frankfurt/M.) spricht über die Schauspielerin Marianne Hoppe

Marianne Hoppe war über 70(!) Jahre eine der prägenden Schauspielerinnen im Theater der Weimarer Republik, in Nazideutschland und in der Bundesrepublik. Im Dritten Reich war sie außerdem eine ausgesprochen erfolgreiche Filmschauspielerin und sie war die Ehefrau von Gustaf Gründgens.
Der Stil, den sie damals mit Gründgens und anderen erarbeitete, prägte die Auffassung davon, wie klassische Rollen im Theater zu spielen seien, für viele Jahrzehnte und bis heute. Klassisch, das heißt ernst, streng, würdevoll, mit Sprechkultur, aber auch pathosfrei und trocken.
Es ist das eine Auffassung, die weniger selbstverständlich ist, als man gerne meint. Peter Michalzik zeichnet nach, wie es dazu kam. Eine Inszenierung steht dabei im Mittelpunkt: Lessings „Emilia Galotti“ 1937 am Preussischen Staatstheater am Gendarmenmarkt. Eine Aufführung zwischen Aufklärung und Gefahr, zwischen den Berliner Nazigrößen und unbedingtem Kunstwille. Eine zwar heute vollkommen vergessene, trotzdem stilbildende Theaterarbeit, nach Meinung der Beteiligten die beste Aufführung, an der sie mitgearbeitet haben. Was machte sie aus? Und welche Rolle spielte Lessing?
Peter Michalzik arbeitet gerade an einem neuartigen Buch mit dem Titel „Horváth, Hoppe, Hitler“, das im Frühjahr 2022 im Aufbau-Verlag Berlin erscheinen wird und in dem diese Aufführung eine Rolle spielt.
Peter Michalzik wurde in Landshut/Niederbayern geboren.
In München studierte er Germanistik, Philosophie, Geschichte und Theaterwissenschaft.

Eintritt: 3 €, ermäßigt: 1,50 €

2. Februar 2022

19 Uhr, Malzhaus, Sonderausstellungsbereich
Ausstellungseröffnung
„Gotthold Ephraim Lessings Wirkungsgeschichte zwischen 1933 und 1945“

Lessings „Minna von Barnhelm“ gehörte zwischen 1933 und 1945 zu den meistgespielten Theaterstücken in Deutschland. „Nathan der Weise“ war ab Dezember 1933 auf keiner deutschen Bühne mehr zu sehen. Wie war solch eine selektive Wahrnehmung möglich? Welchen Platz hatte Lessing als wichtigster Vertreter der deutschen Aufklärung, der sich für Humanität und Toleranz eingesetzt hatte in einem Regime, das den industriellen Massenmord „einführte“, welchen Platz als Fürsprecher der Vernunft in einem geistigen Umfeld, das die Irrationalität „kultivierte“?
Diesen Fragen geht die Sonderausstellung des Lessing-Museums nach. Im Überblick werden dabei alle Bereiche betrachtet, in denen Lessing und sein Werk Wirkung entfaltet haben, das Theater natürlich, die Schule, der Film, die Kritik, die bildende Kunst, die Germanistik und die Publizistik. Gefragt wird nach Formen der persönlichen Rezeption. Schlaglichtartig werden dabei einzelne Aufführungen, Personen und Kunstwerke genauer betrachtet und Kontexte skizziert.
Die Kulturpolitik des „Dritten Reiches“ versuchte, Lessing zu vereinnahmen, man konnte auf ihn nicht verzichten, auch er sollte der Legitimation des Regimes dienen. Dennoch war er nicht so passfähig wie bspw. ein verfälschter Herder oder ein patriotischer Kleist.
Bemerkenswert, dass Lessing zugleich aber auch der Kronzeuge des Widerstandes war, der Repräsentant eines „anderen Deutschlands“ im Exil. Doch auch im „Dritten Reich“ bot sein Denken Ansätze für subtilen Widerspruch zum NS-Zeitgeist, oft verwirklicht in schwer zu ertragender Gleichzeitigkeit von Systemstabilisierung und der geschickten Nutzung von Freiräumen. So ist die Rezeption Lessings im „Dritten Reich“ vielschichtig, facettenreich und in sich widersprüchlich.

5. Februar 2022

19 Uhr, Stadttheater Kamenz
Theateraufführung
„Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka, Düsseldorfer Schauspielhaus

Mit Kilian Land
Szenische Einrichtung: Roger Vontobel
Dramaturgie: Lynn Takeo Musiol

Eingefangen und aus seiner Heimat verschleppt, hat sich der Affe Rotpeter innerhalb weniger Jahre durch Auftritte im Varieté in die Mitte der menschlichen Gesellschaft gearbeitet. Den Mitgliedern einer Akademie berichtet er von der Geschichte seiner Assimilation, vom Prozess seiner Menschwerdung als einzigem Ausweg aus der Gefangenschaft.

Rheinische Post, 20.9.2020
Mit sparsamen Mitteln und überzeugender Darstellungskraft gelingt dem Schauspieler ein berührendes Theatererlebnis. Kilian Land fühlt sich geschmeidig ein in die Metamorphose. Da spricht ein Wesen, das um seine Daseinsberechtigung ringt. Das Leid der gewaltsamen Selbstverleugnung geht ans Gemüt. Brillante schauspielerische Leistung.

[Foto: Sandra Then]

Eintritt/Vorverkauf: 17,00 €, ermäßigt: 9,00 €; Eintritt/Abendkasse: 18,50 €



9. Februar 2022

19 Uhr, Rathaus Kamenz, Ratssaal (geplant):
Vortrag und Gespräch
Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel (Berlin) spricht über ihre Erfahrungen als Leiterin der Taskforce zum Umgang mit der Schwabinger Sammlung von Cornelius Gurlitt.

Auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur beschäftigen Fragen des Umgangs mit Raubkunst und der Restitution von Kunstwerken, aber auch die rechtlichen und moralischen Dimensionen dieser Entscheidungen die deutsche Kunst- und Museumswelt. Dies wurde 2012/13 mit dem „Schwabinger Kunstfund“, der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt, noch einmal ins Bewusstsein gerufen. Die 2018/19 gezeigte Ausstellung dazu, die letztlich auch einen ersten Einblick in den Stand der Aufarbeitung ermöglichte, und Publikationen, die den Umgang mit Gurlitt kritisch hinterfragten, erzeugten eine große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. In Kamenz kamen im Mai 2019 im Rahmen einer Podiumsdiskussion prominente Kritiker der Verfahrensweise der Bundesrepublik zu Wort. Um einen ausgewogenen Blick auf das Thema zu ermöglichen, soll jetzt die Position der im Auftrag der Bundesregierung tätig gewordenen „Taskforce“ im Mittelpunkt stehen. Der Fall Gurlitt steht dabei stellvertretend für die Schwierigkeiten, die sich im Umgang mit Raubkunst und beim Versuch, die Vorgänge belastbar zu rekonstruieren, ergeben.

Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel leitete im Auftrag der Bundesregierung 2013 bis 2015 die „Taskforce Schwabinger Kunstfund“, die für die Sichtung und Bewertung der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt zuständig war.

Eintritt: 3,00 €, ermäßigt: 1,50 €

[Foto: PR Hirmer Verlag]

12. Februar 2022

19 Uhr, Rathaus Kamenz, Ratssaal
Konzert
Johannes Monno an der Gitarre und der renommierte Geiger Kolja Lessing interpretieren Werke von J.S. Bach, Nicolò Paganini, Filippo Gragnani, Max Reger, Eugène Ysaye und Francisco Tarrega.

Die vielfach ausgezeichneten Musiker werden streichend, zupfend und humorvoll moderierend ihr Publikum mit so mancher Überraschung begeistern. Freunde ausgefallener Musikliteratur werden ihre helle Freude erleben, wenn im Klang der Saiten Kolja Lessings Geige auf die Gitarre Johannes Monnos trifft.
Im Anschluss an das Konzert wird Kolja Lessings neuer Band mit musikwissenschaftlichen Essays vorgestellt.

KOLJA LESSING, Professor für Violine und Kammermusik an der Musikhochschule Stuttgart, ist einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit. Als Geiger und
Pianist verbindet er interpretatorische mit wissenschaftlicher Arbeit und hat so dem Musikleben prägende Impulse verliehen. Eine ganze Reihe von Werken verdankt ihre Wiederentdeckung seinem Einsatz. Sein breites Repertoire reicht in stilistisch differenzierten Auseinandersetzungen vom Barock bis zur Moderne und wird in international ausgezeichneten CD-Produktionen gespiegelt.
JOHANNES MONNO entdeckte mit sechs Jahren die Liebe zur Gitarre. Schon früh faszinierte ihn die Geschichte und Entwicklung des Instruments. Die stimmige Verbindung von künstlerischer, wissenschaftlicher und pädagogischer Arbeit stellt daher für ihn ein zentrales Anliegen dar. Eingehend erforschte er die Geschichte und Spielweise von Vihuela da Mano, Barockgitarre und Chitarrone - etliche Publikationen, CD´s, Vortragsreihen und Rundfunkaufnahmen resultieren aus dieser Beschäftigung.
Sein klangliches Ideal fand er in den Gitarren von Matthias Dammann, dessen Instrumente er bereits seit 1984 spielt.

Eintritt/Vorverkauf: 17,00 €, ermäßigt: 9,00 €; Eintritt/Abendkasse: 18,50 €

15. Februar 2022

19 Uhr, Galerie im Sakralmuseum
Ausstellungseröffnung
Eröffnung der Ausstellung mit Lithografien von Armin Mueller-Stahl zu Goethes „Urfaust“

2019 und 2020 zeigte das Lessing-Museum in Kooperation mit dem Künstler und dem Kunsthaus Lübeck zwei Ausstellungen mit Werken von Armin Mueller-Stahl. Aus dieser Kooperation erwuchs dem Museum eine bedeutende Erweiterung seiner Sammlung: Frank-Thomas Gaulin (Kunsthaus Lübeck) schenkte dem Museum 2020 Armin Mueller-Stahls Mappenwerk zum „Urfaust“. Die 20 Lithographien entstanden 2003; sie setzen sich in der charakteristischen Formensprache des Künstlers mit der ersten Fassung von Goethes Hauptwerk auseinander. Die Kabinettausstellung präsentiert die Schenkung erstmals der Öffentlichkeit. Der einführende Vortrag von Dr. Sylke Kaufmann, der Leiterin der Städtischen Sammlungen Kamenz, verknüpft die Bildwelten von Armin Mueller-Stahl mit Entstehungsgeschichte und Inhalt von Goethes Drama. Der „Faust“, nach Aussage des Dichters sein „Hauptgeschäft“, beschäftigte ihn mit Unterbrechungen von 1772–75, der Entstehungszeit des „Urfaust“, bis 1831. Erst wenige Monate vor seinem Tod schloss er den zweiten Teil des „Faust“ ab. Im „Faust“-Stoff griff Goethe viel diskutierte Ereignisse wie Kindsmordprozesse auf. In seiner Jugend hatte ihn ein solcher Prozess in seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. zum “Urfaust“ angeregt, später musste er als sachsen-weimarischer Staatsminister zu solchen Urteilen ein eigenes Votum abgeben. Er bewegte sich damit in einem brisanten Spannungsfeld von Leben und künstlerischer Reflexion, das bis heute kontrovers diskutiert wird.

In Kooperation mit dem Kunsthaus Lübeck. Wir danken Herrn Frank-Thomas Gaulin für seine Unterstützung!

17. Februar 2022

19 Uhr, Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus:
Aus- und vorgestellt
Präsentation von Neuerwerbungen und restaurierten Objekten aus den Städtischen Sammlungen Kamenz

Inzwischen hat die Reihe „Aus- und vorgestellt“ schon einen festen Platz im Programm der Kamenzer Lessing-Tag. Jedes Mal ist es spannend, welche Zeugnisse der Vergangenheit in den zurückliegenden Monaten auf mitunter abenteuerliche Weise erworben werden konnten und nun ihren festen Platz in den Ausstellungen und Depots der Kamenzer Sammlungen finden konnten. Oder es ist jedes Mal ein Erlebnis, wenn museale Gegenstände nach einer Restaurierung wieder im alten Glanz erstrahlen
Geradezu erstaunlich ist es, was diese Gegenstände zu ‚erzählen‘ vermögen, wenn man ihnen die richtigen Fragen stellt.

Eine Veranstaltung der Städtischen Sammlungen Kamenz

Eintritt: 3,00 €; Ermäßigungsberechtigte: 1,50 €
Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.

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