Veranstaltungen
“Das Vergnügen ist so nötig wie die Arbeit”
(Lessing, Der junge Gelehrte)
Vorträge
Lessing und „Minna“
Mittwoch, den 22. September 2010, 19 Uhr
Professor Dr. Heinz Hamm von der Mommsen-Stiftung in Palo Alto (USA) hält einen Vortrag zum Thema: „‘Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück‘ (1767) in der Geschichte des Lustspiels der deutschen Aufklärung“.
Der Vortrag will zeigen, dass in der „Minna“ ein neues moralisches Wertesystem zum Tragen kommt, das die komplizierte Wirklichkeit ernst nimmt und sich von Wunschvorstellungen über den Sieg der „Tugend“ verabschiedet. In der vorangehenden „sächsischen Komödie“ einer Luise Adelgunde Gottsched und im „rührenden Lustspiel“ eines Christian Fürchtegott Gellert waren „Tugend“ und „Laster“ klar unterscheidbares moralisches bzw. unmoralisches Verhalten gewesen. Das „Laster“ wurde verlacht und bestraft; „Tugend“ erhielt immer die verdiente Belohnung.
Lessing führt dagegen im Verhalten des preußischen Majors von Tellheim und des sächsisch-thüringischen Fräuleins Minna von Barnhelm erstmals moralische Standpunkte vor, die beide gleichermaßen ihre Berechtigung haben und dennoch wegen widriger äußerer Umstände Glück und Liebe zweier Menschen zu zerstören drohen. Lessing nimmt dem Konflikt nichts von seiner Schärfe, lässt aber das Spiel glücklich enden, weil er eine Vermittlung der Standpunkte immer noch für möglich hält. Freilich müssen dafür die Verhältnisse günstig sein, was wiederum eine Sache des Glücks ist.
Der wohl scharfsinnigste deutsche Schriftsteller des 18. Jahrhunderts war sich darüber im Klaren, dass Vernunft und Moralität der Hilfe durch die Umstände bedürfen, um sich durchsetzen zu können.
Veranstaltungsort: Lessing-Museum/Röhrmeisterhaus, Lessingplatz 1
Eintritt: 2 Euro